Mittwoch, 27. August 2008

Noch hört man die Popsängerin Ute Schönherr nur im Internet














Interview mit Ute Schönherr, deutsche Popsängerin mit Klassikausbildung und Botschafterin der Deutschen Rheuma-Liga

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Frage: Frau Schönherr, viele kleine Mädchen träumen davon, einmal erfolgreiche Sängerin zu werden - warum haben Sie dies im Gegensatz zu vielen anderen geschafft?

Antwort: Ich habe bisher in meinem Leben nie aufgegeben, bin nach jeder Niederlage wieder aufgestanden. Die Frage ist nicht, wie oft Du k.o. gehst, sondern wieviel Du einstecken kannst. Kämpfer kämpfen und ich bin kein Dulder.

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Frage: In Ihrer Vita ist zu lesen, dass Sie Gesang studiert und in Amerika erfolgreich mit namhaften Produzenten zusammengearbeitet haben. Außerdem erfährt man, dass Dieter Bohlen nach Ihrer Rückkehr auf Sie aufmerksam wurde und eine Ballade für Sie komponierte und produzierte – spielten Zufall und Glück gelegentlich eine Rolle bei Ihrer Traumkarriere?

Antwort: Zufall und Ehrgeiz spielen in meinem Leben eine große Rolle. Glück ist eher eine unbekannte Komponente in meinem Leben

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Frage: Welche Ihrer Lieder gefallen Ihnen selbst am besten und warum?

Antwort: “Sometimes it rains“ ist mein absoluter Favorit. Die Aussage des Songs und die Musik, sprich das Arrangement, spiegeln meine Lebensphilosophie wieder. Manchmal regnet es auf Dich, manchmal schüttet es, doch irgendwann klopft ein Engel an Deine Tür ... Nie vergessen, irgendwann wird alles wieder besser!

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Frage: Dreht sich Ihr ganzes Leben um Musik oder haben Sie auch ganz andere Hobbys?

Antwort: Menschen; Leben; miteinander reden; Kino; shopping J; Fernsehen; meine Hunde; Schlagzeug spielen

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Frage: Künstler/innen und andere Prominente leiden oft mehr oder weniger stark darunter, dass sie von wildfremden Menschen mit unterschiedlichsten Wünschen behelligt werden – wie ist das bei Ihnen?

Antwort: Nach der Zusammenarbeit mit Dieter Bohlen kamen schon unmögliche Anfragen ... So sind Menschen
Oder eine Sängerin im Rollstuhl braucht doch keine Gage, sie kann doch dankbar sein, dass man sie auftreten ließe ...

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Frage: Sind Sie mit der Berichterstattung deutscher Medien über Sie immer einverstanden?

Antwort: Es geht so ... Die Wörter wie: Behinderung; schwerkrank oder der immer erwähnte Rollstuhl nerven mich sehr. Ich will doch nur mit meiner gesanglichen Leistung punkten. Im Rollstuhl zu sitzen, ist keine Leistung, sondern nur ein Stuhl mit Rädern J

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Frage: Sie litten bereits im Alter von drei Jahren unter Rheuma, mit zwölf verschlimmerte eine misslungene Knieoperation Ihre Lage und Sie sind seit Ihrer Kindheit an den Rollstuhl gefesselt – was gab Ihnen die Kraft, Ihr Schicksal bewundernswert mit Musik und Lebensfreude zu meistern?

Antwort: Humor! Ich bin wohl mit einem Lächeln auf die Welt gekommen und dankbar für jeden Tag, den ich erlebe. Das Leben ist doch so schön und wirklich das Einzige auf der Welt, was wir umsonst bekommen. Liebe; Glück; Dankbarkeit; Vorfreude auf alles was jetzt ist und noch kommt.

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Frage: Können Sie Ihr Rheuma etwas unternehmen?

Antwort: Ignorieren! Ich mache jeden Tag Gymnastik, lebe nach einer Diät, um leicht zu bleiben. Das ist es aber auch ... Stehe auf und wandle, dass wird eher nicht passieren.

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Frage: Seit September 2007 treten Sie als Sängerin öffentlich für die Deutsche Rheuma-Liga in Shows und Talkrunden auf und engagieren sich für die Belange rheumakranker Menschen – wie sind die Reaktionen darauf?

Antwort: Gut. Kritik bekommt doch immer und selten gute Meinungen ... Und dazu noch die ungefragten Kommentare ... Keep smiling. Generell will ich immer mehr versuchen, mehr erreichen, als mir gestattet wird.

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Frage: Sind die Menschen in Deutschland ausreichend über Rheuma aufgeklärt?

Antwort: Nein. Weder gibt es genügend Fachärzte, noch genügend Aufklärung über die 400 verschiedenen rheumatischen Erkrankungen, die in jeden Alter vor allem auch bei Kindern auftreten können.

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Frage: Werden die Interessen der Rheumakranken in Deutschland in Politik und Gesellschaft ausreichend berücksichtigt?

Antwort: Nein, nicht im geringsten. Als älteste und zweitteuerste Krankheit der Welt ist Rheuma das Stiefkind in der Politik, der Gesellschaft und leider auch in den Medien. Sie wird meist in ihren Auswirkungen unterschätzt (nicht tödlich z.B., was nicht stimmt) als Altersgebrechen abgetan und für zu unspektakulär angesehen.

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Frage: Sie machen mit Ihrem Engagement für die Deutsche Rheumaliga vielen rheumakranken Menschen wieder Mut – brauchen Sie selbst gelegentlich jemand, der Ihnen Mut zuspricht?

Antwort: Es gibt nur einen Menschen in meinem Leben, auf den ich mich immer 100 % verlassen kann. Das bin ich selber.

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Video: "Ute Schönherr - Sad, Sad Love (Slide-Show)" von "AsteRMXs" bei Youtube
http://de.youtube.com/watch?v=_SZzq75yyL4

Non-profit production of Dieter Bohlen for Ute - visit http://www.uteute.de

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Frage: Sicherlich möchten Leser/innen dieses Interviews noch mehr über Sie und Ihre Arbeit erfahren – unter welchen Internetadressen ist die möglich?

Antwort:
http://www.uteute.de
http://www.uteute.com
http://www.myspace.com/uteusa

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Frage: Sie sind eine begehrte und geschätzte Interviewpartnerin, gibt es eine Frage, die man Ihnen zu Ihrem Bedauern bisher nicht gestellt hat?

Antwort: Ja! Warum hören wir Ihre Musik / Songs nur im Internet und können sie auch dort nur kaufen? Meinen Sie, dass sie wegen des Rollstuhls von deutschen Plattenfirmen abgelehnt werden, es deswegen nie zu einem Plattenvertrag gekommen ist?

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Frage: Wenn Ihnen eine gute Fee einige Wünsche erfüllen könnte, was würden Sie ihr sagen?

Antwort: Für alle Menschen, die es brauchen, ein wenig mehr Dankbarkeit. Es gibt so vieles im Leben, für das man dankbar sein sollte.
Für alle Kinder dieser Welt: keine Schmerzen, keinen Hunger, ohne irgendwelche gewaltsame Handlung von dritter Hand.
Einen Früherkennungstest für Rheuma.
Mich selber im Radio singen zu hören.

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Frage: Gibt es im Internet eine Adresse, unter der man Lieder von Ihnen hören kann?

Antwort: http://www.myspace.com/uteusa
(kostenlos)

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Die Fragen für das Interview stellte der Wiesbadener Journalist Ernst Probst, der zusammen mit seiner Frau Doris Probst das Interview-Weblog http://interview-weblog.blogspot.com betreibt